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Autor: Die Crew

Eqip Sermia

Eqip Sermia

Etwa 70 km nordöstlich von Ilulissat liegt der kalbende Gletscher Eqip Sermia. Die aktuellen Eiskarten, die wir per IRIDIUM-Satellitenverbindung von Ignatios erhalten, zeigen weitgehend eisfreies Wasser, und so können wir bis zum Gletscher vorstoßen.

Beeindruckende 100 Meter ragt die 4 km breite Eiswand empor, die durch das Gewicht der nachdrückenden Eismassen täglich 2-3 Meter vorgeschoben wird.

Der Anker fällt und unser Beiboot wird für einen Landausflug klargemacht. Gerade, als ich mit Andrea und Mathias von unserm Ausflug zurückkehre, bricht unter lautem Donnern ein großes Stück vom Gletscher ab und erzeugt dabei eine ca. 2 Meter hohe Welle. Ich bin froh, für unseren Ausflug meinen wasserdichten Überlebensanzug angezogen zu haben, auch wenn uns hier im tiefen Wasser keine unmittelbare Gefahr droht.

Über Funk können wir die Freydis, die in der Brandungszone ankert, zwar noch warnen, aber um den Anker aufzuholen, ist es zu spät. Der Anker hält, aber für die Nacht kehren wir lieber in eine kleine geschützten Bucht in der Nähe der verlassenen Ortschaft Ataa zurück.

Eisfjord Kangia

Eisfjord Kangia

Seit 2004 gehört der Eisfjord Kangia zum UNESCO-Weltkulturerbe, 7 km breit und 55 km lang und voller Eis vom Gletscher Sermeq Kujalleq.


Für uns unpassierbar, daher umsteigen aufs Flugzeug und in niedriger Höhe über die Eisberge bis zur Abbruchkante des Gletschers.



Bisher war die Gletscherzunge des Sermeq Kujallek unterspült, doch das rasant schnelle Abschmelzen des Eises auf Grund der Klimaerwärmung hat dazu geführt, dass die Eiskante jetzt auf dem Land liegt. Für die Zukunft heißt das, dass die Produktion der riesigen Eisberge nicht mehr passiert, denn diese Giganten entstehen nur, wenn schwimmende Eisberge abbrechen.



Bilder von solchen schwimmenden Giganten mit einem Gewicht von über 1 Mio. t Eis wird es dann nicht mehr geben. Faszinierend, das alles noch einmal gesehen zu haben.

Aasiaat

Aasiaat

Wir haben in Aasiaat einen sicheren Liegeplatz gefunden. Für das Wochenende ist draußen in der Davis Strait ein Sturm mit Orkanstärke angekündigt. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt sicher kein Zuckerschlecken.

Orkanvorhersage


Aasiaat ist heute der Transit- und Umschlaghafen für Nordgrönland. Die Ladung der großen Schiffe wird hier gelöscht und weiterverteilt.


Außerdem ist hier die größte Werft der Disko Bay angesiedelt, wo die FREYDIS an Land überwintern kann, gemeinsam mit einer weiteren deutschen Yacht, POLARIS, die den letzten Winter hier im Eis gelegen hat und dabei aber so stark beschädigt wurde, dass sie im nächsten Jahr zur Reparatur zurück auf die Hutting Werft nach Holland muss.


In dem Schärengebiet vor Aasiaat, die Gegend wird auch „Land der tausend Inseln“ genannt, kann man Robben und Wale beobachten, die von den Inuit noch immer gejagt werden. Bei ruhiger See verraten sich die Wale durch den Blas, der bei der klaren Sicht weithin sichtbar ist.



Die alten Fischerboote im Hafen besitzen noch immer einen Ausguck im Mast und eine Harpune auf dem Vordeck, auch wenn heute Heilbutt und Snowcrabs die Haupteinnahmequelle sind.



Auch wenn das folgende Bild zunächst etwas anderes vermuten lässt, wurden wir von den Inuit überall, wo wir an Land gingen, freundlich empfangen.

Ilulissat

Ilulissat

Wir liegen in Ilulissat, der drittgrößten Stadt Grönlands, und warten auf drei neue Crewmitglieder für die letzte Etappe bis nach Nuuk in Südgrönland. Neben den etwa 4.500 Einwohnern gibt es 1.800 Schlittenhunde, die im Winter als Zugtiere für die Hundeschlitten genutzt werden. Der grönländische Schlittenhund ist sehr nah mit dem Wolf verwandt und hat sich durch Jahrtausende dem Polarklima perfekt angepasst.


Leider hat sich das Wetter verschlechtert, was uns jedoch nicht davon abhält, ausgedehnten Wanderungen zum Eisfjord und ins Hinterland zu unternehmen. Zum Schutz gegen Eisbären sind hier großkalibrige Waffen in jedem Geschäft frei verkäuflich.

Es gibt ein Vier-Sterne-Hotel, und wer Lust hat, kann in einem Iglu aus Aluminium übernachten und den Blick auf die vorbeiziehenden Eisberge genießen.

Eisberge in der Disko Bay

Eisberge in der Disko Bay

Auf dem Weg von Aasiaat nach Ilulisaat passieren wir bei strahlendem Sonnenschein die vielen Eisberge, die hier aus dem Kangia-Eisfjord abbrechen und hinaus aufs Meer treiben. Die Eismassen stammen vom Sermeq Kujalleq, dem produktivsten Gletscher der nördlichen Hemisphäre, der jährlich 70 Mio. Tonnen Eis produziert. Die riesigen Abbruchstücke mit einer Dicke von bis zu 1.000m treiben zunächst frei im Fjord, denn hier hat der Meeresarm eine Tiefe von 1.200m. An der Mündung in die Disko Bay hat der Fjord noch eine Tiefe von 200 m, weshalb ein Rückstau der Eisberge im Fjord entsteht. Nur die kleineren Eisberge treiben hinaus ins offene Meer. Doch selbst diese Stücke sind so groß, dass sie auf ihrer langen Reise – zunächst nördlich in die Baffin Bay und anschließend entlang der kanadischen Küste – erst auf der Höhe von New York endgültig schmelzen. Auch der Eisberg, der 1912 die Titanic zum Sinken brachte, stammte vermutlich aus Westgrönland.